Wählen!

Bei den letzten drei Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern lag die Wahlbeteiligung nur um die 60% (zur Statistik auf statista.com). Gäbe es eine Fraktion der Nichtwähler:innen, wäre diese in den letzten Legislaturperioden immer die größte im Landtag gewesen. Einige Menschen werden nicht wählen gegangen sein, weil sie am Wahltag kein Interesse oder Zeit hatten oder ihnen Briefwahl zu umständlich war. Die meisten Menschen jedoch haben kein Kreuz gemacht, weil sie nicht wissen, welche Partei sie wählen sollen oder weil sie sich von keiner der etablierten Parteien vertreten fühlen. An dieser Stelle wollen wir erklären, warum das Wählen trotzdem wichtig ist.

„Welche Partei soll ich wählen?“

Wer nicht weiß, welcher Partei er:sie ein Kreuz auf dem Stimmzettel geben soll, hat verschiedene Möglichkeiten: Der Wahl-O-Mat ist eines erstes Mittel, um Übereinstimmungen mit dem Programm der zur Wahl stehenden Parteien herauszufinden. Wer nicht die Lust hat, die Parteiprogramme im Ganzen durchzulesen, hat damit also bereits eine gute Entscheidungshilfe. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, zu Veranstaltungen der Parteien zu gehen. Oft gibt es hier die Gelegenheit, mitzudiskutieren oder Fragen zu stellen.

„Alle großen Parteien sind aus verschiedensten Gründen für mich nicht wählbar.“

Viele Menschen sind unzufrieden mit der Politik der etablierten Parteien. Ein großer Teil der Bevölkerung hat bei den letzten Wahlen die AfD als Ausdruck ihres Protests gewählt. Über 60% der Wähler:innen gaben nach der letzten Bundestagswahl an, sie hätten ihr Kreuz bei der AfD gemacht, weil sie von allen anderen enttäuscht seien (zur Umfrage auf tagesschau.de).
Doch auch wenn man sich mit keiner Partei so richtig identifizieren kann, ist es besser die zu wählen, von der man sich am ehesten vertreten fühlt. Andernfalls besteht die Gefahr, dass mehr Stimmen auf Parteien entfallen, die man selbst auf keinen Fall im Landtag sehen wollte.

„Auf meine Stimme kommt es nicht an.“

Nicht wenige Menschen meinen: „Auf meine Stimme kommt es nicht an“. Wenn alle so denken würden, und nur sehr wenige Menschen wählen gehen, könnte man dann von einem legitimierten Parlament sprechen? Wer für die Demokratie ist und sie erhalten möchte, muss wenigstens alle paar Jahre wählen gehen. Denn Demokratie lebt vom Mitmachen.

Besser eine Kleine als Keine?!

Besser eine kleine als keineDer Zustand der Welt und unseres Landes wurde unter anderem von den etablierten Parteien zugelassen. Wer weiterhin die sogenannten Volksparteien und allseits bekannten Parteien wählt, wählt ein „Weiter so“. Aber deswegen gar nicht wählen? Wem eine wirklich wirksame Klimapolitik und eine echte gerechte Sozialpolitik wichtig sind, findet bei einigen Kleinparteien gute Ideen. Wer aus den kleinen Parteien dennoch keine findet, die ihm:ihr zusagt, sollte dann trotzdem aus Protest eine Kleinpartei (natürlich keine demokratie- oder verfassungsfeindliche) wählen. Dies ist allenfalls besser als eine Partei zu wählen, die Nazis, sogar in hohen Ämtern, in ihren eigenen Reihen duldet. Eine Stimme an eine Kleinpartei ist ein politischer Stinkefinger an die großen Parteien und auch ein Motivationsschub für Hunderte engagierte Menschen, die Bewegung in die Politik bringen.

Was ist an Kleinparteien besser?

Bei Kleinparteien gibt es keine lukrativen Posten zu verteilen. So dreht sich alles darum, wie man gute und ehrliche Politik für alle Menschen machen könnte. Die großen Parteien gehen keine großen Veränderungen an, um nicht ihre Stammwähler:innen zu verschrecken. Kleinparteien haben progressive Ideen und echte Visionen für eine gute Zukunft.
Die Stimme an eine Kleinpartei ist auch nicht verschenkt, denn der steigende Prozentsatz der „Sonstigen“ zeigt immer deutlicher, dass die Etablierten keine Lösungen mehr für die drängen Probleme, wie die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, die Umweltzerstörung, den Klimawandel, Abstiegsängste und zerfallende Infrastruktur, finden. Dann wird es bald ein Update für die Demokratie mit neuen, progressiven Ideen geben.

„Diese Wahl ist zu wichtig, um eine Kleinpartei zu wählen“

Viele Menschen wählen taktisch und damit nicht die Partei, die sie eigentlich hätten wählen wollen. Die Begründung: Diese Wahl sei zu wichtig; man müsse eine große Partei wählen, um zu verhindern, dass eine andere die nächste Regierung bildet. 2017 hieß es, diese Bundestagswahl sei es die wichtigste Wahl überhaupt (AfD verhindern). In diesem Jahr sei die Wahl noch wichtiger (Klimaschutz). Daraus lässt sich der Schluss ziehen: Jede Wahl ist die Wichtigste. Oder anders ausgedrückt: Jede Wahl ist wichtig. Wer daher immer taktisch wählt, wählt nie, was er:sie eigentlich will und sorgt mit seiner:ihrer Stimme dafür, dass auch weiterhin die Parteien regieren, die den aktuellen Zustand zu verantworten haben. Wer also möchte, dass sich was in seinem:ihrem Sinne ändert, sollte immer die favorisierte Partei wählen; auch zur diesjährigen Landtagswahl.